Lasst uns doch für Fußball bezahlen!

Der Fußball verschwindet immer mehr im Bezahlfernsehen, so viel steht nach der Vergabe der Championsleaguerechte zu Sky und DAZN ab 2018 fest. Es ist nicht die erste Veränderung bezüglich deutscher Fußballfernsehrechte – schlecht muss diese aber nicht sein. Außerdem zeigt der neue Internetdienst DAZN, neben den traditionellen Formaten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und des Bezahlsender Sky, wie man es besser machen kann. Doch alles in allem müssen sich deutsche Konsumenten wohl erstmal an die vielen Neuerungen gewöhnen.

Fußball und Fernsehen, diese zwei Dinge, die so eng zueinander gehören, verändern ihren Beziehungsstatus mal wieder: „In etwas komplizierter“. Während sich die ARD für die Sportschau die Übertragungsrechte der Bundesligazusammenfassungen gesichert hat, sieht es für die öffentlich-rechtlichen Sender in Sachen Championsleague schlecht aus. Denn diese sicherten sich Sky und der neue schicke Internetdienst DAZN. Die Königsklasse verschwindet somit komplett aus dem frei empfänglichen Fernsehen. Nur ein Championsleaguefinale würde bei deutscher Beteiligung umsonst zu sehen sein. Denn aufgrund des hohen gesellschaftlichen Interesses ist dies verpflichtend. Allerdings wird auch das wahrscheinlich bei Sky zu sehen sein. Der Sender hat seit der abgelaufenen Saison mit „Sky-News“ einen frei empfänglichen Sender zur Verfügung.

Es ist nicht die erste Veränderung bezüglich Fußballfernsehrechte in Deutschland. Bereits in den späten 80er Jahren zankten sich die ARD und einige Privatsender um die Rechte der Bundesligazusammenfassungen. Die ARD verlor 1988 erstmals die Rechte an RTL. Ab 1992 übernahm dann der ebenfalls private Sender SAT1 die Übertragung. Somit musste das in Deutschland beliebte Format „Sportschau“ auf seinen Hauptinhalt „Fußball“ verzichten und Alternativen in anderen Sportarten suchen. Die Verfechter der Privatsender sprachen von einer Arroganz der ARD, die es nie für möglich gehalten hat, ihre Fußballrechte zu verlieren. Denn das Verfolgen von Fußball scheint ein Grundbedürfnis zu sein und die ARD ist eben der Versorger von medialer Grundbedürfnisse Deutschlands. Diese Arroganz hatte ihr wohl die Rechte gekostet, da man das Privatfernsehen nicht ernstnahm.  Damals sprach man vom Untergang der Fußballberichterstattung. Denn plötzlich gab es deutlich mehr Werbeblöcke zwischen den Zusammenfassungen und Auftritte von Musikern, die zum Fußball eigentlich nichts zu sagen hatten.

Seit 2003 zeigt die Sportschau nun wieder Fußball. Generell natürlich angenehmer als im Privatfernsehen, da die Werbeblöcke deutlich reduziert sind. Dennoch, nur mit Ruhm bekleckert  hat sich die ARD in Sachen Fußball nicht. Auch hier werden immer mehr unterhaltende Elemente eingebaut, die spätestens mit „Beckmann’s Sportschule“ ad absurdum geführt wurden. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir eine Sendung im Anschluss an die Auslosung der ersten Pokalrunde dieser Saison. Dabei ließ Beckmann Tim Wiese und Veganer Marco „Toni“ Sailer (ehemals Darmstadt 98) zusammen kochen. Wiese, sowie der begleitende Fernsehkoch, konnten nicht verstehen, wie sich ein Profisportler vegan ernähren kann. Diese Sendung war an Peinlichkeit nicht zu überbieten. Auch die Talkshow „Lanz“ im ZDF, die nach Championsleagueübertragungen immer Fußball zum Thema hat, spricht nicht für die Qualität der Berichterstattung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Einmal im Jahr wird dort der BVB-Siegtorschütze des Championsleaguefinales von 1997, Lars Ricken eingeladen, der zum tausendsten Mal von seinem Tor erzählen darf. In solch einer Runde sitzen dann ein Fußballkommentator, eine Schauspielerin, die zufällig auch Fußballfan ist und ein Sänger, der sein neues Musikalbum präsentiert.

Das Selbstverständnis der öffentlich-rechtlichen Sender, dass Fußball ein Grundbedürfnis ist, haben auch die deutschen Konsumenten angenommen. Allerdings ist es kein Grundbedürfnis, sondern eher ein Luxusgut. In England gibt es sogar gar keine Bilder im frei empfänglichen Fernsehen und Sky kostet umgerechnet 50 Euro monatlich. Ein anderer Sportsender um die 30. Dennoch wird es mehr genutzt als in Deutschland.

In Deutschland gilt Sky als absolutes Luxusgut und es wird lieber auf die Sportschau oder auf die Livereportage im öffentlich-rechtlichen Radio zurückgegriffen. Ein bisschen spießbürgerlich, dennoch aufgrund der Preise verständlich (Sky Monatsticket kostet im Durchschnitt 30 Euro). 

Mit dem Internetdienst DAZN gibt es allerdings einen neuen Konkurrenten, der Sky bereits in der letzten Saison die Premier-League-Rechte abluchste und sich nun mit Sky die Championsleaguerechte teilt. Das bedeutet eine weitere Veränderung. Nicht nur weg vom freiempfänglichen Fernsehen, sondern sogar hin zu einer reinen Internetübertragung. Dieser Trend hat in Zeiten von Netflix, schon längst seine eigene Nische neben dem normalen Fernsehprogramm gefunden. Im Fußball hat Sky verpasst diese Lücke zu füllen, in die sich nun DAZN drängte. DAZN zeigt neben der Premier-League fast alle europäischen Ligen. Und das mit Minimalaufwand und einem etwas anderen Stil. Meistens beginnt die Vorberichterstattung eine Viertelstunde vor Spielbeginn, und die Nachberichterstattung endet 15 Minuten nach Abpfiff. Man setzt mehr auf Statistiken und qualitative Kommentare, als auf Unterhaltung. Hier wird allerdings auch die Entwicklung zu beobachten sein, vor allem bezüglich des Preises. Es ist fraglich, ob die bisherigen zehn Euro monatlich zu halten sind, wenn man Inhalte der Championsleague zeigt.

Dennoch ist es ein angenehmes Format, das deutlich billiger als das übliche Bezahlfernsehen im Fußball ist und auf Talkshows wie „Beckmann’s Sportschule“ oder „Lanz“ zum Thema Fußball verzichtet.

Da fällt es mir schwer, die immer weniger werdende Fußballsendezeit auf öffentlich-rechtlichen Sendern oder im Privatfernsehen zu vermissen. Aber vielleicht gucke ich auch, im Vergleich zum deutschen Normalverbraucher zu viel Fußball, sodass ich sowieso an Bezahlfernsehen nicht vorbei komme. Aber so schlimm ist es gar nicht.

TV-Kamera

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