Magier Guardiola – Zu anders für Deutschland und die Bayern

Er steht an der Seitenlinie, wild fuchtelnd, während das Spiel an ihm vorbeirauscht. Von Spiel zu Spiel ein ähnliches Szenario: Guardiola präsentiert sich dynamisch, gestikulierend und perfekt gestylt in seiner Show, die meistens in Nähe seiner Coaching-Zone stattfindet. Für manche ist es zu viel Show. „Verstehen die Spieler das?“, fragt sich ein verwirrter „Waldi“ Hartmann in der Sky 90-Runde. Brauchen sie nicht, so glaube ich. Er ist ein Magier. Ein Zauberer, der durch murmelnde Zauberei das Spiel dirigiert und seine Spieler wie beim Zauberschach auf dem Brett, dem Spielfeld, hin und her schieben kann, wie er möchte. Anders ist es nicht zu erklären, dass eine Mannschaft im Sekundentakt ihre taktische Aufstellung verändern kann, als ob nichts geschehen wäre, ein Stürmer plötzlich in fünf Sekunden fünf Tore schießt und Torhüter plötzlich den Sechser geben, als wäre Xavis Geist in den Körper Manuel Neuers eingedrungen. Es kann sich nur um Magie handeln.

Diese Theorie würde ebenfalls den öffentlichen Umgang mit Guardiola, vor allem seit den Spekulationen um seinen Abgang, erklären. Denn normale Menschen, wie der bodenständige Bayer „Waldi“ Hartmann, mögen keine Magier. Die erscheinen ihnen eher als suspekt und verrückt. Dabei können sie einfach nur mehr. Wäre Guardiola bei den Dursleys (grausame Pflegefamilie Harry Potters) aufgewachsen, hätte er ebenfalls seine ersten Jahre in einer Besenkammer übernachten dürfen, weil er anders ist, eben irgendwie ein bisschen verrückt.

Magie macht Menschen Angst, denn sie können sie nicht kontrollieren. Sie können sie nicht kontrollieren und ebenso wenig verstehen. Versteht der Mensch etwas nicht, muss er kritisieren. Die Frage ist nur, was lässt sich bei Guardiola kritisieren? Er hat zwei Mal die Meisterschaft gewonnen, einmal den Pokal und zwei Mal das Championsleague-Halbfinale erreicht. Der Erfolg sollte doch im Mittelpunkt stehen. Bei den Bayern erscheint allerdings seit dem Triple-Gewinn 2013,  jeglicher minderer Erfolg wie eine Blamage. Der Meisterschaft hängt inzwischen der Ruf eines Vorbereitungsturniers hinterher, während der Pokal für Exkursionen nach Bochum genutzt wird, sodass die Spieler trotz all des Trubels auf dem Boden bleiben. Es zählt nur noch die Königsklasse.

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Auch der Mensch Guardiola wird kritisiert, beziehungsweise gewisse Angewohnheiten, die sich als „Macke“ bezeichnen lassen. Wie schon erwähnt, beispielsweise sein Verhalten an der Seitenlinie, das Dirigieren. Er treibt die Spieler eher in den Wahnsinn, als dass sie die zu vermittelnden taktischen Anweisungen verstehen. Als Beispiel führt Hartmann den Brasilianer Dante an. Guardiolas Verhalten an der Seitenlinie, da war doch was: Umarmungen mit Schiri Bibiana Steinhaus, Sprints bis zum gegnerischen Strafraum im Zuge einer Fehlentscheidung und euphorischer Torjubel mit Umarmung des vierten Offiziellen. Die Vorfälle lassen sich als übertrieben darstellen oder eben als Erfrischung, als Abwechslung im immer kälter werdenden Fußballzirkus.

Fehler in seiner medialen Arbeit werden ihm auch vorgeworfen. Er soll sich zu wenig äußern und mit einer deutschen Normalität, wie einem Interview vor dem Spiel, was in der Bundesliga üblich ist, sich nicht anfreunden können. Das kennt er einfach nicht, aber daran müsse er sich doch anpassen, so wird im Doppelpass diskutiert. Bei diesem Vorwurf meldet sich schnipsend das ZDF in Person Oliver Welkes. Ihm wurde der Müller nach dem Championsleague-Aus gegen Barcelona aus dem Sportstudio entführt. Der Grund war, dass Guardiola die gesamte Mannschaft in die Kabine befohlen hatte. Oli Kahn und Oli Welke beendeten beleidigt die Taktikanalyse.

Meiner Meinung nach wird zu viel Kritik an den Haaren herbeigezogen, sodass Guardiola ein Image angehaftet wird, das seinem Erfolg nicht gerecht wird.

Ist  Pep der beste Trainer der Welt?

Ja, diesen Titel spricht man ihm dann doch nicht ab. Es wird viel darüber geredet, welche Kratzer es bei ihm hinterließe, sollte er seine Ära bei den Bayern ohne den Championsleaugesieg beenden,  über seine „Macken“, ob er überhaupt zum Verein FC Bayern passt, aber eines wird ihm nicht abgesprochen: Er ist der beste Trainer der Welt. Er ist derjenige, der die Mannschaft des FC Bayern auf ein höheres Level gehoben hat. Sogar auf einem spielerisch höheren Level als beim Triple-Erfolg unter Jupp Heynckes.

Das Problem scheint tatsächlich zu sein, dass er eben anders ist. Zu anders für den deutschen Fußball und für die Bayern. Aber Magier sind eben anders. Ist es nicht genau das was man im heutigen Fußball braucht und will? Ich habe seinen medialen Auftritt eher als erfrischend wahrgenommen, als unkonventionell. Und wer braucht denn bitte Konventionen im Fußball? Niemand.
In diesem Sinne wird sich Guardiola nach dieser Saison mit einer Lobeshymne verabschieden:
„Das war die beste Mannschaft, das beste Land und vor allem die beste Liga, die ich je hatte!“

Adiós Pep!

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